Gesundheitswesen

Sanität

Begriffserklärung

Wenn in Südtirol von Sanität die Rede ist, dann ist damit keineswegs die Sanitärtechnik, d.h. die technischen Installationen von Gas, Wasser und Abwasser gemeint. Nein, in Südtirol ist damit der Südtiroler Sanitätsbetrieb, also das öffentliche Gesundheitswesen gemeint.

Das Gesundheitswesen in Südtirol krankt
Krankheitsursache und notwendige Medizin?

In den letzten Jahren hat es immer wieder – teils äußerst heftig geführte – Diskussionen zum Südtiroler Gesundheitswesen gegeben. Man denke nur an die unselige Diskussion zur Schließung der Kleinkrankenhäuser, die Schließung der Geburtenstationen oder die überaus langen Wartezeiten bei Visiten. Viele sind überzeugt davon, dass das Gesundheitswesen selbst kränkelt.

Über die Ursache gibt es geteilte Meinungen. Hier sind externe Faktoren und mit Sicherheit ebenso eigene organisatorische Mängel anzuführen. Ein Grundproblem sind aber vor allem mangelnde gesetzliche Zuständigkeiten. Südtirol hat nur sekundäre Gesetzgebungskompetenz im Gesundheitswesen. Das bedeutet, dass die Landespolitik zwar oft die Ursache der Probleme kennt und auch eine Lösung dafür parat hätte, aber letztlich an italienische Vorgaben gebunden ist. Folglich kann auf Probleme nicht angemessen reagiert werden. Sollte sich nicht bald etwas ändern, wird das Gesundheitswesen in Südtirol zum Pflegefall.
Ein Ausbau der Autonomie wäre dringend geboten. Südtirol braucht eigene Entscheidungskompetenz im Gesundheitswesen. Südtirol ist heute zwar für die Finanzierung der Krankenhäuser zuständig, kann aber nicht alleine entscheiden. Dazu bräuchte es ein drittes Autonomiestatut, so wie es vom Autonomiekonvent vorbereitet wurde.

Als unabhängiger Staat (Republik Südtirol) hätte Südtirol die volle Entscheidungsfreiheit im Gesundheitswesen. Es könnte sämtliche Entscheidungen so treffen, dass die lokalen Besonderheiten, wie beispielsweise Proporz und Zweisprachigkeit, am besten berücksichtigt werden.

Auch eine Wiedervereinigung mit Österreich brächte Vorteile. Denn in Österreich hat die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung traditionell einen höheren Stellenwert als in Italien. Für Krankenhäuser liegt die Grundsatzgesetzgebung beim Bund. Die Ausführungsgesetzgebung und die Vollziehung sind hingegen Ländersache. Durch Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern wird die Finanzierung sichergestellt und es wird für eine bundesweite Gesundheitsversorgung in hoher Qualität gesorgt.

Hilfe! Mein Arzt versteht mich nicht!
Warum immer mehr Ärzte nicht die Sprache ihrer Patienten sprechen

Bereits seit einigen Jahren macht sich der Personalmangel an Südtirols Krankenhäusern bemerkbar. Während immer mehr altgediente Mitarbeiter ins Pensionsalter kommen, sieht es beim Nachwuchs mager aus. Einheimisches zweisprachiges Personal zu bekommen ist schwierig. Personal von auswärts spricht oft kein Wort Deutsch.

Absolventen der Landesfachhochschule für Gesundheitswesen Claudiana zieht es vielfach ins Ausland. Das liegt an den besseren Arbeitsbedingungen und dem höheren Lohnniveau, sagt man. Ärzte hingegen, welche bereit wären, ihr Facharztpraktikum in Südtirols Krankenhäusern zu machen, bekommen immer wieder Steine in den Weg gelegt. Italienische Ärztegewerkschaften stören sich am Südtiroler Sonderweg und reichen Klagen ein.

Um den Personalmangel in den Griff zu bekommen, wurden hunderte einsprachig italienische Ärzte und Pfleger eingestellt. Die Folge: Immer öfter können Ärzte und Patienten einander nicht verstehen. Was bei Personal mit wenig Patientenkontakt noch relativ problemlos gelingen kann, schafft beim Logopäden oder beim Kinder- und Jugendpsychiater, deren Tätigkeit ja fast ausschließlich aus Sprechen und Zuhören besteht, schon ernsthafte Probleme. Oft müssen dann andere Mitarbeiter einspringen und übersetzen. Dies hilft dann zwar kurzfristig, das Verständigungsproblem zu lösen, trägt aber andererseits wieder zum allgemeinen Personalmangel bei.

Dieser Mangel an qualifiziertem zweisprachigem Personal macht sich überall bemerkbar: Die Wartezeiten für Visiten sind lang, das Risiko für Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen steigt, vorhandene Strukturen können nicht voll ausgelastet werden, und interne Kommunikation läuft immer öfter nur noch in italienischer Sprache ab, weil qualifiziertes Personal, wie vorher beschrieben, abwandert.

Ärztemangel und fehlende Mitarbeiter im Pflegebereich sind kein Südtiroler Spezialfall: Überall in Europa gibt es einen mehr oder weniger starken Mangel an medizinischem Personal. Auch in anderen Regionen Europas ist man darauf angewiesen, Personal aus dem Ausland zu rekrutieren und notfalls gewisse Abstriche bei der Ausbildung hinzunehmen. Aber es dürfte wohl einzigartig in Europa sein, dass Ärzte und Pfleger nicht die Landessprache, die Sprache ihrer Patienten, in unserem Fall deutsch, beherrschen müssen, um eingestellt zu werden. Es ist schlicht nicht denkbar, dass jemand als Arzt oder Pfleger in Deutschland oder Österreich arbeiten kann, ohne ein Wort deutsch zu sprechen. Genauso ist es undenkbar, dass irgendwo in Italien jemand eine Stelle im öffentlichen Gesundheitswesen erhält, wenn er nicht italienisch spricht. Niemand käme in Deutschland, Österreich oder Italien auf die Idee, von den Patienten zu verlangen, sie müssten in einer Fremdsprache mit dem Arzt sprechen. In Südtirol aber ist genau das der Fall: Es wird Personal eingestellt, dass die Landessprache nicht spricht, und es wird vom Patienten verlangt, sich in einer Fremdsprache zu verständigen.

Und genau deshalb bräuchte Südtirol hier eigene Kompetenzen im Gesundheitswesen, um diesen besonderen Herausforderungen wirksam begegnen zu können. Aber da stößt die Südtirol-Autonomie wieder einmal an ihre Grenzen. Was ist eine Autonomie wert, wenn sie nicht imstande ist, die tagtäglichen Probleme der Menschen im Land zu lösen?

Ewiges Warten auf Arzt-Visiten
Reformen dringend notwendig

Dass es im Südtiroler Gesundheitswesen zahlreiche Probleme gibt, dürfte wohl allen bekannt sein. Seit Jahren gibt es immer wieder Diskussionen zum Gesundheitswesen. Die Polemiken um die Kleinkrankenhäuser und die Schließung der Geburtenstationen sind noch in bester Erinnerung.

Die langen Wartezeiten im Gesundheitswesen werden von allen Seiten kritisiert. Die Folgen des Personalmangels sind lange Wartezeiten für Patienten. Auf nicht dringende Visiten muss man oft viele Monate lang warten. Um die Dienste aufrecht zu erhalten, wurden in den letzten Jahren hunderte italienische Ärzte und Pfleger ohne Deutschkenntnisse eingestellt. Dies gefährdet die Gesundheit der deutschsprachigen Patienten. Hier müssen andere Lösungen gefunden werden.

Trotz zahlreicher Reformversuche ist eine wirkliche Besserung nicht in Sicht. Die Zahl der Pensionsantritte steigt, während die Personalanwerbung zunehmend Probleme bereitet. Das höhere Lohnniveau im Ausland mag ein zusätzlicher Grund für unseren Personalmangel sein.

Viele Probleme sind aber auch hausgemacht. So wird die Facharztausbildung nach österreichischem Vorbild von italienischer Seite immer wieder torpediert. Dadurch wird es immer schwieriger, einheimische Medizinstudenten zurück in die Heimat zu holen. Hier fehlt es dem Land Südtirol einfach an den notwendigen gesetzgeberischen Kompetenzen. Es zeigt sich einmal mehr, wie eingeschränkt unsere Zuständigkeiten sind.

Krankes Gesundheitswesen
Bürger fordern Gleichstellung der deutschen Sprache

Schon so mancher deutschsprachige Patient in Südtirol musste feststellen, dass im öffentlichen Gesundheitswesen längst nicht alle Ärzte der deutschen Sprache mächtig sind. Da es für viele Patienten schwierig ist, medizinische Fachbegriffe in einer ihnen fremden Sprache zu verstehen, werden oft Krankenpfleger für Übersetzungsdienste herangezogen. Diese fehlen dann aber wiederum in ihrem eigentlichen Aufgabenbereich.

Die Südtiroler fordern hier eine konsequente Gleichstellung der deutschen Sprache. Diese ist im Autonomiestatut zwar vorgesehen, wurde bisher aber nur halbherzig umgesetzt. Hier braucht es vor allem mehr Mut von unseren Politikern. Die Gleichstellung der deutschen Sprache in allen Bereichen ist längst überfällig.

Sonderfall Südtiroler Gesundheitswesen
Primäre Gesetzgebungskompetenzen gefordert

Patienten und Angestellte kritisieren die zahlreichen Missstände im Südtiroler Gesundheitswesen. Trotz vielfältiger Initiativen ist eine wirkliche Besserung nicht in Sicht. Immer wieder scheitern Reformversuche an der fehlenden Gesetzgebungskompetenz Südtirols.

Immer wieder versucht die Südtiroler Landespolitik, diese Probleme zu lösen. Aber immer wieder stößt sie dabei an die eigenen gesetzgeberischen Grenzen. Viele Südtiroler Medizinstudenten studieren in Österreich. Auch Pflegekräfte zieht es wegen der besseren Bezahlung vielfach in benachbarte deutschsprachige Regionen. Südtirol befindet sich aber auch wegen der Zweisprachigkeitspflicht und dem ethnischen Proporz in einer Sondersituation. Dies alles verlangt nach eigenen gesetzgeberischen Kompetenzen, um der besonderen Situation Südtirols gerecht werden zu können. Hier müssen endlich entsprechende gesetzgeberische Kompetenzen für Südtirol gewährt werden.

Ganz egal, ob es um die Facharztausbildung nach österreichischen Vorbild oder die Eintragung deutschsprachiger Ärzte in die italienische Ärztekammer geht. Immer wieder zeigt sich, dass Südtirol im Gesundheitswesen kaum eigene Kompetenzen hat. Ja selbst die Frage, ob das Land Südtirol für die Lohnanpassungen im Gesundheitswesen die Inflationsraten in Südtirol, anstatt jener in Gesamtitalien zugrunde legen darf, wird vom Staat bestritten. So kann keine vernünftige Gesundheitspolitik gemacht werden. Es zeigt sich einmal mehr, wie eingeschränkt die Südtiroler Autonomie in Wirklichkeit ist. Viele Bürger fordern daher ein drittes Autonomiestatut für Südtirol, welches neben den anderen Forderungen des Autonomiekonventes auch endlich eine primäre Gesetzgebungskompetenz im Gesundheitswesen bringen soll.

Als unabhängiger Staat (Republik Südtirol) hätte Südtirol die volle Entscheidungsfreiheit im Gesundheitswesen. Es könnte sämtliche Entscheidungen so treffen, dass sie die lokalen Besonderheiten, wie beispielsweise ethnischer Proporz und Zweisprachigkeit, am besten berücksichtigen.

Auch eine Wiedervereinigung mit Österreich brächte Vorteile. Denn in Österreich hat die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung traditionell einen höheren Stellenwert als in Italien. Für Krankenhäuser liegt die Grundsatzgesetzgebung beim Bund. Die Ausführungsgesetzgebung und die Vollziehung sind hingegen Ländersache. Durch Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern wird die Finanzierung sichergestellt und für eine bundesweite Gesundheitsversorgung in hoher Qualität gesorgt.

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