Interview: Fragen an den Sennereiverband

Wo liegen nach Auffassung Ihres Verbandes die Stärken und Schwächen im Südtirol von heute?

Für die Südtiroler Milchwirtschaft war es in den letzten Jahrzehnten ein Glücksfall, dass Italien ein Milch-Importland ist. Italien muss 40% der Milch importieren. Der Bedarf war so hoch, dass sogar mit der Tankmilch gute Preise zu erzielen waren, bis zum In Kraft Treten des Schengen Abkommens. Danach wurde der Markt auch von Deutschland und Österreich geflutet.
Die Milchwirtschaft macht in Südtirol einen Umsatz von 450 Mio. €, die Obstwirtschaft eine Wertschöpfung von 700 Mio. € und die Weinwirtschaft einen Umsatz von 190 Mio. €.
Die Südtiroler Milchwirtschaft hat sich dann auf die Yoghurt-Produktion umgestellt, was eine gute Entscheidung war. Der Absatzmarkt in Italien ist sehr gut und die Südtiroler Milch kann um ca. 20% höhere Preise erzielen als alle anderen Milchproduzenten.
Südtiroler Produkte sind durch die ital. Gäste sehr bekannt und beliebt. Zusätzlich werden in Südtirol durch die Qualität der Arbeit hochwertige Produkte hergestellt.
Südtiroler Lebensmittel sind durch die Bezeichnung als italienische Lebensmittel auf dem Weltmarkt gut verkäuflich. Weder Südtiroler Produkte noch österreichische Produkte sind weltweit bekannt. Dies läuft vor allem unter dem Stichwort „italian sounding“.

Wo drückt der Schuh Ihren Verband am meisten?

  1. Probleme ergeben sich aktuell durch die überbordende italienische Gesetzgebung, die stark theoretisierend ausgelegt ist, und die in Südtirol mit deutscher Gründlichkeit kontrolliert und umgesetzt wird. Ital. Gesetzgebung ist wenig praktikabel.
  2. Ein weiteres großes Problem ist die mangelhafte Gerichtsbarkeit in Italien. Die Einforderung des eigenen Rechts ist sehr kostenaufwändig und zeitraubend. Zeit- und Kostenaufwand sind sehr groß. Die Rechtsunsicherheit ist damit sehr lange.
  3. Die Sicherheitsbestimmungen und die Hygienebestimmungen werden zwar von der EU geregelt, aber die einzelnen Staaten zeichnen für die Umsetzung und die Durchführung der Bestimmungen. Während in Deutschland und Österreich die Umsetzung de EU Bestimmungen praktikabel und funktional sind, sind sie in Italien theoretisierend und formalisierend, mit an Absurdität grenzender Disfunktionalität.
  4. Ein sehr großes Problem ist die Berufsausbildung und das Lehrlingswesen. Seit 6-7 Jahren hat der Sennereiverband keine Lehrlinge mehr ausgebildet und keine Arbeitskräfte unter 18 Jahren mehr eingestellt. Die Verantwortung und das Risiko für Strafen ist zu groß. Großes Hindernis sind die Arbeitssicherheit und die ges. Bestimmungen.

Was wünschen Sie Sich für das Südtirol von 2025?

Ein Erstarken der EU Regionen, ein Zusammenwachsen des Europa der Regionen wäre wünschenswert. Eine Euregio, wo wir selber zuständig sind für die Umsetzung der EU – Richtlinien, damit wir die Regeln praktikabel und wirtschaftsfreundlich gestalten können.

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